Meinung

Karin Kuna und Stadtrad Erice

Das strahlende Buchstaben-Gold belebt die Szenerie des verlassenen Totengedenkens auf dem Hernalser Friedhof. Gleißendes Sonnenlicht verwandelt den Grabstein in einen milchigen Spiegel: Unvergesslich. In Stein gemeißelt. Die Gelegenheit für ein Selfie mit Corona-Aktualitätswert! Mir passiert sowieso nix, solange mich nicht die grassierende Angstenergie ansteckt. Die nervigste Nebenwirkung zum großen Shut-Down, gleich nach den manisch Masken-Tragenden in den Straßen, im Freien… ist das eigentlich sinnvoll oder doch nur Aktivitäten-Placebo?

Noch tags zuvor liefere ich mir einen hitzigen Pingpong-Diskurs zum Thema Hardcore-Macho-Gehabe mit einem lieben Freund. Ihm ist ein solches nicht nur nicht fremd, sondern von seinem ureigenen Wesen gleich einmal um Lichtjahre entfernt. Deswegen reagiert er wie ein Außerirdischer mit blankem Unverständnis, wenn ich aus dem Nähkästchen plaudere und Motten-Geschichten, kürzlich Erlebtes aus "it's a man's world" schildere. Ungläubig meist, entsetzt eigentlich immer ist er…

Der Grafiker meines Vertrauens ist seit nahezu zwanzig Jahren nicht nur „mein“ Grafiker, sondern – frei nach Ephraim Kishon – der beste GrafikDesigner von allen (und großer Bruder-Ersatz, leidensfähiger Freund, „Peha“-Familie…). Praktischerweise in „the middle of nowhere“ beheimatet, sind so genannte Termine mit ihm (und seiner Frau, die eine großartige Künstlerin ist, mir eine leidensfähige Freundin, „Peha“-…) nicht an Uhrzeiten orientiert.

Bislang haben mich meine Rennrad-Ausfahrten ins vertraute Flachland rund um Wien geführt, Jahreszeiten-unabhängig nach dem Muster „mindestens 50km-Umweg-zum-Bananensplit“, oft sind's plus-/ minus-hundert Kilometer. Soll heißen, dass ich meist ambitioniert unterwegs bin, aber letzten Endes steht der Genuss im Mittelpunkt meiner Rad-Lust.