Meinung

Noch tags zuvor liefere ich mir einen hitzigen Pingpong-Diskurs zum Thema Hardcore-Macho-Gehabe mit einem lieben Freund. Ihm ist ein solches nicht nur nicht fremd, sondern von seinem ureigenen Wesen gleich einmal um Lichtjahre entfernt. Deswegen reagiert er wie ein Außerirdischer mit blankem Unverständnis, wenn ich aus dem Nähkästchen plaudere und Motten-Geschichten, kürzlich Erlebtes aus "it's a man's world" schildere. Ungläubig meist, entsetzt eigentlich immer ist er…

Der Grafiker meines Vertrauens ist seit nahezu zwanzig Jahren nicht nur „mein“ Grafiker, sondern – frei nach Ephraim Kishon – der beste GrafikDesigner von allen (und großer Bruder-Ersatz, leidensfähiger Freund, „Peha“-Familie…). Praktischerweise in „the middle of nowhere“ beheimatet, sind so genannte Termine mit ihm (und seiner Frau, die eine großartige Künstlerin ist, mir eine leidensfähige Freundin, „Peha“-…) nicht an Uhrzeiten orientiert.

Bislang haben mich meine Rennrad-Ausfahrten ins vertraute Flachland rund um Wien geführt, Jahreszeiten-unabhängig nach dem Muster „mindestens 50km-Umweg-zum-Bananensplit“, oft sind's plus-/ minus-hundert Kilometer. Soll heißen, dass ich meist ambitioniert unterwegs bin, aber letzten Endes steht der Genuss im Mittelpunkt meiner Rad-Lust.

Wenn ich endlich die Radschuhe anhabe, mich für die passenden Farbscheiben in der Sportbrille entschieden und sogar die Qual der Wahl „Riegel oder Banane?“ getroffen habe, bevor ich den Helm schnappe, die Handschuhe anziehe und das Rad raus ins Stiegenhaus bugsiere, werfe ich noch einen Blick auf die Küchenuhr, um meine Startzeit zu wissen. Und wenn ich dann an meinem Ziel angekommen bin, zum Beispiel am Hauptplatz in Tulln, schaue ich dort wieder auf eine Uhr.