Oh, Heimat, dich zu lieben…
Querfeldein zuckeln wir durch ganz viel Gegend, machen am Ende des Weinviertels einen Abstecher zum ehemaligen Wohnort von Gottfried von Einem. Während hier rund um Maissau in grellem Pink-Violett die ebenso künstlich gehypte wie längst marode „Amethyst-Welt“ in Form von Wegweisern und Hinweisschildern allgegenwärtig ist, gelangt man nur dank Insiderwissen zum Schaffensort des weltberühmten Komponisten.

Ich starre auf die Schreibmaschinenschrift, auf das kleine Papierstück am unscheinbaren Hauseingang, das als Hinweisschild dient und denke an die Reputation, die Gottfried von Einem nicht nur in der internationalen Musikwelt genießt.
Langsam schlendere ich durch das verwilderte Wiesenstück hinter dem Haus in Richtung menschenleerer Kellergasse, lasse steil aufgerichtete Grashalme meine Handflächen streicheln, weiche den mächtigen Klettenstauden aus und entdecke exotisch anmutende Beinwell-Inseln im Blütenmeer der Gstettn.
In der frühsommerlichen Mittagshitze imaginiere ich ein zeitgemäßes Amphitheater, das sich hier verbindend zwischen der dörflichen Kellergasse hin zum Areal rund um die Kirche ausdehnen könnte – vielleicht in Form eines Hains oder einer artifiziellen Allee oder in Form einer Zaha Hadid'schen Metall-Kapsel, in der es freien Rund-Raum für an-eckende Kunst mit Kanten geben könnte, für zeitgenössische Musik(Tage), um das Gedenken an Gottfried von Einem als „Componist“ zu feiern, an ihn als hochsensitiven Kunst-Menschen und internationalen Österreicher.
Und plötzlich dämmert's in meinem Tagtraum, dass ich hier mitten im Land der politisch verhaberten Kunsthandwerker stehe, der Upcycling-Wein-“Skulkturen“-Kreisverkehre, der mit Aquarellmalerei-„Kunst“ bestückten Verkostung-Kultur… der Tummelplatz der tüchtigen Fördergeld-Nacktschnecken (meint jene an Begabung oder Ausbildung Nackten, jedoch überaus fähig im Ziehen einer Schleimspur zu den nährenden Landes-Geldtöpfen, deren gleichgeschaltete Ausschüttung den Gefolgsleuten der politischen Führungskaste vorbehalten bleibt).

Mit hängendem Kopf trotte ich zurück zum Auto und schäme mich wieder einmal fremd für all die Molluskenartigen im Niederösterreich-Anzug, die den satten Stillstand rund um Wien konservieren, und das Untertanen-Denken… ich blicke in den Gemeinde-Schaukasten und sehe ausdruckslos blickende Menschen, vom Typ die Idealbesetzung für's Deix-Casting; aber mit denen ist nicht zu spaßen, denn ihre Hauptaufgabe ist es, ferngesteuert die Geschicke im Land in exakt diese eine Richtung zu lenken.
Nein, der querdenkende und feingeistige Gottfried von Einem bekommt hier keine Erinnerungsstätte, kein Festival, keine Musik-Tage – weder ihm zu Ehren noch um seiner Kunst „gegen den Strom“ zu huldigen.